Kandidatenverbrennung
Bei der aktuellen Kandidatensuche für das Amt des Bundespräsidenten ist zur Zeit ein interessanter Prozess zu beobachten. Während stets betont wird, aus Respekt für das hohe Amt und vor möglichen Kandidaten würde kein Wahlkampf betrieben und diese nicht beschädigt werden, läuft hinter den Kulissen ein ganz anderer Film. Permanent werden neue Kandidaten nicht nur diskutiert, was ja verständlich wäre, sondern es werden offenbar gezielte Meldungen über die Chancen von bestimmten Personen lanciert und der angebliche Zwischenstand interner Besprechungen an die Presse weitergegeben.
Wurde anfangs noch Schäuble als möglicher Kandidat genannt, wurden gleich gegenteilige Bekundungen veröffentlicht, die Schäuble als unverzichtbar für Merkels Kabinett erklärten. Ein vergifteter Kuss. Gestern war dann Ursula von der Leyen als Wunsch-Kandidatin in allen Medien. Sie sei die Favoritin der Kanzlerin und fände auch in der Koalition Anklang. Einen Tag später ist auch diese mögliche Kandidatin verbrannt. Sie sei für die junge Generation ein “Antityp” sagt ein FDP-MdB, zu wichtig für die Regierung sagen andere. Seit heute ist Wulff der Favorit, der offenbar bisher verhindern konnte, genannt zu werden, bevor nicht alle anderen aussichtsreichen Kandidaten verbrannt waren. Aber auch beim heißen Tipp Wulff ist noch nicht klar, ob er nicht vor der offiziellen Bekanntgabe nicht noch in Flammen aufgeht.
Klar ist aber: Die Häufigkeit, wie oft in den letzten Tagen unter 3 (“heißt es aus Koalitionskreisen…”, “sagt einer aus der CDU-Fraktion…”) auf mögliche Kandidaten geschossen wurde, zeugt vom genauen Gegenteil von Respekt vor dem Amt und der Wahrung der Würde der Kandidaten. Köhlers Rücktritt aus mangelndem Respekt für sein Amt scheint offenbar keine ausreichende Warnung gewesen zu sein.
Update: Offenbar haben Wulff und seine Leute wohl geschickt genug agiert, um ihn in trockene Tücher zu packen, bevor es ihn trifft.
3. June 2010 — Wahlen — 0 Kommentare