Paid Content durch Magazine und Zeitungen auf eBooks?

Rupert Murdoch Foto: World Economic Forum (CC by-sa)

Klassische Zeitungs-Verlage jammern seit Monaten immer lauter. Die “Umsonst-Kultur” im Internet gefährde die Existenz der Verlagshäuser und ist daher seit einiger Zeit der Hauptgegner von Verlegern wie Rupert Murdoch, der um sein Medienimperium News Corp. fürchtet. Natürlich hat er erst einmal Recht damit, dass kaum jemand bereit ist, für gewöhnliche Nachrichten im Internet zu bezahlen, denn zwei Klicks weiter werden die gleichen Inhalte kostenlos angeboten. Dass Murdoch kürzlich gegen Suchmaschinen, insbesondere Google News, schießt, die Inhalte klauen würden und so für den Umsatzeinbruch der Branche verantwortlich sein, erinnert aber eher an die Musikindustrie, die auch immer lieber auf das Internet geschimpft hat, anstatt sich der Lebenswirklichkeit der KonsumentInnen anzupassen.

Paid-Content gegen Werbe-Ausfälle

Um die Schwankungen des Marktes für Online-Werbung aufzufangen und mehr Geld abzuschöpfen, lassen Verlagshäuser nun immer wieder den Begriff “Paid Content” fallen, also vom User bezahlter Inhalt. Außer den vom Online-Werbemarkt enttäuschten Verlegern glaubt allerdings kaum jemand daran, dass sich die Leserinnen und Leser auf dieses Konzept einlassen werden. Zumindest für gewöhnliche Nachrichten und auf klassischen Endgeräten (zB Desktop-PC) scheint hier kein erträgliches Geschäftsmodell abseits von Werbung in Sicht. Erfolgversprechender erscheint hier der Verkauf von Zeitschriften-Abos für eBook-Reader. Das Problem: Der einzige große Player auf dem Markt, Amazon Kindle, gibt den Zeitschriftenproduzenten wenig Mitspracherecht und streicht angeblich bis zu 2/3 der Abogebühren ein. In den USA gehen einige Verleger um Rupert Murdoch jetzt in die Offensive: Sie wollen ein eigenes eBook-Verkaufs-System etablieren. Das klingt erstmal vernünftig, denn damit verhindern sie eine zu große Marktmacht von Kindle. Zumindest schaffen sie Wahlmöglichkeiten.

txtr Reader

Die Gefahr: Zeitschriften-Verlage können zwar Inhalte generieren und präsentieren. Ob sie aber auch technische Plattformen entwickeln können, die potentielle Kunden ansprechen, die sich vernünftig bedienen lassen und Besucher nicht gängeln, darf bezweifelt werden. Zumal es schon einige Alternativen zu Amazons Kindle gibt. Das deutsche Startup txtr stellt nicht nur den gleichnamigen eBook-Reader her, sondern bietet auch eine Community-Plattform und einen Shop an. txtr setzt dabei auf freie Software und freie Formate, lässt den Verlagen, die ihre Inhalte über den Shop verkaufen, viel Wahlfreiheit und untermauert dies mit der Social-Media-Komponente der Community.

Solche Angebote sollten die Verlage stärker nutzen und damit Alternativ-Anbieter am Markt etablieren, denn so erhalten sie sich Marktmacht und Mitspracherechte. Stattdessen setzt die Gruppe um Murdoch auf ihr eigenes Konzept, will farbige Inhalte, Videos und sogar interaktive Elemente. Dass man damit einen der größten Vorteile von eBook-Readern wie Kindle und txtr – ewig lange Akkulaufzeit und papierähnliches Lesegefühl – ignoriert, scheint dabei kaum zu stören.

Fazit: Das Vorhaben scheint zum Scheitern verurteilt. Es bleibt zu hoffen, dass die Gruppe das schnellsmöglich merkt und sich auf vernünftige, kundenfreundliche, freie Alternativen konzentriert!

9. December 2009Internet, kultur0 Kommentare

White IT: Ganzheitlich sieht anders aus

White IT ist ein Bündnis aus Politik und Wirtschaft, das sich wohl als Alternative oder Erweiterung des zu Netzsperren sieht. Es geht dabei um den Kampf gegen Kinderpornografie. Das gane findet unter der Federführung des niedersächsischen Innenministers, Uwe Schünemann, statt. Dabei wolle man alle einschließen, sagte Schünemann Spiegel Online: “Wir wollen Kinderpornografie im Internet bekämpfen und haben dafür einen ganzheitlichen Ansatz gewählt.”

Besucht man die Website, sehen die meisten Menschen vermutlich: nichts. Für die Darstellung der Website wird Microsoft Silverlight benötigt. Das ist nicht nur kein Webstandard, es steht auch für viele Betriebssysteme gar nicht zur Verfügung – u.a. für Linux nicht. Eine Fall-Back-Lösung, die Menschen angeboten wird, die Silverlight nicht installieren wollen oder können, gibt es nicht.

Ich unterstelle Herrn Schünemann natürlich nicht, dass er sich mit solchen technischen Details auskennt, ihm die Probleme bewusst waren und er den Ausschluss vieler Menschen von dieser Website wissentlich in Kauf genommen hat. Wer aber den “ganzheitlichen Ansatz” zur Bekämpfung von Kinderpornografie wählt, sollte auch allen die Möglichkeit geben, sich zu beteiligen und informieren. Dass eine öffentliche Stelle überhaupt eine Website mit Barrieren anbietet, ist unmöglich – das Land muss alle Menschen einbeziehen!

2. December 2009Internet0 Kommentare

Entpolitisiertes Interview in der Public

Vor einiger Zeit wurde ich (wohl als Sprecher der Grünen Jugend Niedersachsen) per Mail darum gebeten, für das Hildesheimer Stadtmagazin PUBLIC einen Fragebogen auszufüllen. Dem bin ich natürlich gerne nachgekommen, habe aus Platzgründen und Ausrichtung des Magazins auch darauf geachtet, keine politischen Manifeste zu verfassen. Wenn man allerdings Leute in politischen Funktionen bittet, einen solchen Fragebogen auszufüllen, dann darf man sich über kleine politische Farbtupfer nicht wundern. So habe ich versucht, wenigstens das Interesse an bestimmten Themen zu wecken, etwa an der Kulturflatrate:

Was würdest du gerne einmal tun, wenn es keine Strafe dafür gäbe?

Eyelid Movies von Phantogram aus dem Internet runterladen, bevor die Kulturflatrate eingeführt wird.

Ich habe gehofft, dass 2-3 Leute den Begriff Kulturflatrate googlen und das Konzept interessant finden. Leider wurde der Satzteil nach dem Komma im Magazin entfernt. Die meiner Meinung nach sehr wichtige Frage (für ein Porträt meiner Person), warum ich bei den Grünen bin, wurde leider komplett gestrichen. Meine Antwort war:

Warum bist du den Grünen beigetreten?

Weil sie für eine freie, emanzipatorische, tolerante und solidarische Gesellschaft stehen, ohne in Populismus zu verfallen und Nachhaltigkeit nicht nur ökologisch, sondern auch finanziell, wirtschaftlich und bildungspolitisch einfordern.

Ich habe Verständnis dafür, dass die Redaktion auf den Platz achten muss und ggf. kürzen muss. Schade ist es trotzdem, vor allem weil ich beim einreichen der Antworten angeboten hatte bei Bedarf selber zu kürzen. Ich freue mich natürlich trotzdem über die Anfrage!

Die Online-Ausgabe der PUBLIC gibt es bei issuu. Der Fragebogen befindet sich auf Seite 14. Das Interview gibt es hier.

28. November 2009Grüne Jugend, Pressemitteilung2 Kommentare

LDK-Nachlese aus Sicht der GRÜNEN JUGEND

Am vergangenen Wochenende (14.-15.11.) fand in Osnabrück der Parteitag (LDK) der niedersächsischen Grünen statt. Die Grüne Jugend Niedersachsen (GJN) hatte nicht nur drei Anträge gestellt, die zuvor auf der eigenen Landesmitgliederversammlung in Gifhorn beschlossen wurden. Es kandidierten auch einige Aktive bei den Wahlen.

Wahlen

Als Grüne Jugend-Kandidatin wurde Julia Hamburg (Sprecherin der Grünen Jugend Niedersachsen) mit einem sehr guten Ergebnis in den Parteirat gewählt. Dort ist jetzt ebenfalls der Europa-Abgeordnete der Grünen Jugend, Jan Philipp Albrecht verterten. Auch in den Länderrat wurde Julia mit gutem Ergebnis gewählt, wo sie zusammen mit dem ebenfalls neu in den Länderrat gewählten GJN-Landtagsabgeordneten Helge Limburg arbeiten wird.

Jan Wienken, Schatzmeister der GJN, wurde in den Landesfinanzrat gewählt. Die politische Geschäftsführerin Julia Amthor wurde in den Bundesfrauenrat gewählt. Neben diesen Grüne Jugend-Aktiven sind noch einige weitere junge Menschen in verschiedene Gremien gewählt worden. Hier gibt es eine Übersicht über alle Gewählten.

Anträge

Auch inhaltlich war die Grüne Jugend sehr erfolgreich. Alle drei Anträge wurden mit großen Mehrheiten verabschiedet und sind somit ab sofort Beschlusslage der niedersächsischen Grünen. Alle beschlossenen Anträge findet man hier. Neben dem Antrag “Transparenter Landtag – Mehr Information und Teilhabe!” wurden auch die Resolutionen gegen Alltagsrassismus (pdf) und gegen die Namen von SS-Soldaten auf einem Mahnmal (leider noch nicht online) beschlossen.

16. November 2009Die Grünen, Grüne Jugend3 Kommentare

Transparenter Landtag – Mehr Information und Teilhabe!

Antrag der GRÜNEN JUGEND Niedersachsen zur Landesdelegiertenkonferenz von Bündnis 90/Die Grünen

Plenarsitzungen übertragen!

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN fordern den niedersächsischen Landtag dazu auf, alle Plenarsitzungen künftig per Live-Stream im Internet zu übertragen, um die Möglichkeiten zur Kontrolle des Landesparlaments durch die BürgerInnen zu verbessern und Interessierte über die Parlamentsarbeit zu informieren. Ältere Sitzungsmitschnitte sollten zeitlich unbegrenzt in einem über das Internet öffentlich abrufbarem Video-Archiv vorgehalten werden.

Zugang verbessern!

Die Internetseite und insbesondere das Dokumentensuchsystem muss verbessert und übersichtlicher gestaltet werden, um die Zugänglichkeit der Dokumente zu steigern. Um auch Kindern die Landespolitik näher zu bringen, sollte der Landtag außerdem eine eigene Kinderinternetseite einführen, auf der parlamentarische Arbeit einfach und verständlich dargestellt wird. Aus unserer Sicht ist es untragbar, dass die aktuelle Website des Landtages nicht barrierefrei ist. Keinem Menschen darf aufgrund von Behinderungen der Zugang zu öffentlichen Dokumenten verwehrt werden! Der Landtag sollte hier ein Vorbild sein und eine barrierefreie Website einführen, um auch Menschen mit Behinderungen die Nutzung zu ermöglichen und die Indexierung durch öffentliche Suchmaschinen zu fördern.

E-Petitionen ermöglichen!

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN erkennen im Internet eine Chance, BürgerInnen direkter an politischen Prozessen zu beteiligen. Dazu müssen nicht nur die Informationsangebote wie oben beschrieben verbessert werden, Informationen müssen auch in die andere Richtung fließen. Der Deutsche Bundestag hat sehr gute Erfahrungen mit dem Instrument der E-Petition gemacht. Wir fordern den niedersächsischen Landtag auf, diesem Beispiel zu folgen und ebenfalls ein E-Petitionssystem einzuführen, um die Beteiligungsmöglichkeiten der BürgerInnen zu verbessern.

11. November 2009Die Grünen0 Kommentare

Seiten:  1 2 3 4 5 6 7 8 ...12 13 14 15 16