Rassismus in der Emma?
In der Emma-Ausgabe von November/Dezember 2008 hat Alice Schwarzer einen Artikel über sich prostituierende Studentinnen geschrieben. Dabei behandelt Schwarzer auch das Buch Fucking Berlin von Sonia Rossi, in dem die Mathe-Studentin ihren Nebenjob Prostituierte beschreibt. Rossi sagt, sie sei Sizilianerin. Alice Schwarzer weiß es besser, denn am Akzent höre man, dass sie eher aus Osteuropa komme und wohl Polin oder Russin sei. Der Akzent klingt tatsächlich nicht wirklich italienisch, wie dieses Video zeigt. Spannender ist Schwarzers weitere Argumentation. Dass Sonia Rossi – der Name ist ein Pseudonym – aus Osteuropa kommt, sei wahrscheinlicher, denn:
eine Mitteleuropäerin, die Mathematik studiert, wird kaum noch nebenher so hart anschaffen gehen. Sie ist materiell und mental längst an einem anderen Punkt. Die Osteuropäerin jedoch aus den exsozialistischen, militarisierten Diktaturen, kommt aus finanziell so elenden Verhältnissen und hatte ideel bisher kaum Gelgenheit, sich mit der Prostitution kritisch auseinanderzusetzen, dass sie viel eher Gefahr läuft, in einer Stadt wie Berlin und an der Seite von Männern aus dem Milieu in die Prostitution abzurutschen.
Mental sind die Mitteleuropäerinnen den Frauen aus Osteuropa also überlegen und erkennen im Gegensatz zu diesen, dass Prostitution böse ist. Was sich Alice Schwarzer da erlaubt, kann man eigentlich nur Rassismus nennen. Mag sein, dass es in Polen und Russland mehr Arme gibt, als in Italien. Tollkühne Menschen könnten aber auf die Idee kommen, dass es auch Menschen aus Sizilien gibt, die sehr wenig Geld haben. Dass die einen den anderen mental überlegen wären oder sich mit Prostitution eher “ideel” kritisch auseinandergesetzt hätten, heißt das aber noch lange nicht!
Der Artikel ist aber nicht nur rassistisch, sondern auch sonst unterstes Niveau. Durch die Legalisierung von Prostitution durch die rot-grüne Bundesregierung könnte die Polizei angeblich nichtmehr gegen Zuhälter vorgehen und die Frauen schützen. Warum nicht? Erklärt Schwarzer nicht. Gerade die Legalisierung erlaubt den Prostituierten selbstständig und in (relativ) sicheren Verhältnissen arbeiten zu können. Ok, Steuern müssen sie zahlen, wie Schwarzer kritisiert. Sie können aber auch Sozialversicherungen in Anspruch nehmen! Außerdem habe die Legalisierung zu Folge, dass die Prostituierten “nichtmehr statistisch erfasst werden” könnten. Illegale Prostitution kann man wie in Frankreich (geschätzte 40.000 studentische Prostituierte) statistisch erfassen, legale aber nicht? Wie erfasst das Statistische Bundesamt eigentlich Erwerbstätige, wenn die legal arbeiten?
28. August 2009 — Brauner Mob — 7 Kommentare

Sten
am 21. Sep 2009 um 13:02EMMA hat in unzähligen Berichten sehr genau beschrieben, weshalb durch die Legalisierung noch mehr Zwangsprostituierte, Minderjährige und durch falsche Versprechungen die Frauen in wohlhabende Länder gelockt oder eben auch wie Vieh zu uns transportiert werden.
Das nochmals zu wiederholen ist langsam unsinnig und zeigt das die Befürworter einfach nur das Wahrnehmen was ihnen bequem erscheint…Ich habe Respekt von Frauen wie EMMA, wie oft muss sie sich beleidigen lassen, wo sie doch ganz klar und nüchtern um die Würde der Frauen (Menschen) kämpfen.
Osteuropäerinnen, so ist auch meine Erfahrung, unterwerfen sich viel eher irgendeiner Autorität – dass kann ich täglich bei uns im Spital erleben. Bei den Freiern sind sie sehr beliebt, für einige Euro lassen sie alles mit sich machen…dass ist keine rassistische Bemerkung, sondern einfach Tatsache. Aber Hautsache man findet wieder ein Gegenargument gegen EMMA, und wenn es noch so dämlich ist.
Nicht EMMAS Artikel ist unterstes Niveau sondern der von Ihnen geschrieben Kommentar wie zum Beispiel: Gerade die Legalisierung erlaubt den Prostituierten selbstständig und in (relativ) sicheren Verhältnissen zu arbeiten – Hallooo, auf welchen Planet leben Sie eigentlich? Oder könnte es sein dass Sie persönlich ganz tüchtig von der Prostitution profitieren? Dann erklärt sich von selbst natürlich so eine unsinnige Stellungnahme!
Gregor
am 21. Sep 2009 um 22:48Die Vermutung, ich würde von Prostitution in irgendeiner Weise profitieren, ist völlig falsch. Mir das zu unterstellen finde ich übrigens grenzwertig.
Der zweite Satz ist kein Gegenargument gegen den ersten. Was stimmt denn an dem Satz nicht? Ist es nicht so, dass die Frauen sich selbstständig machen können und zB die Sozialversicherungen in Anspruch nehmen können?
Dass Osteuropäerinnen häufig Opfer von Zwangsprostitution werden, hab ich nie bestritten und möchte das auch gar nicht verharmlosen. Zwangsprostitution und Menschenhandel müssen streng verfolgt und hart bestraft werden, das steht für mich außer Frage. Im Emma-Artikel geht es aber um Frauen, die sich freiwillig aus finanziellen Gründen prostituieren – weil sie angeblich “ideel” unterentwickelt wären. Ich habe auch Respekt vor Alice Schwarzer, das heißt aber nicht, dass sie über jede Kritik erhaben ist! Es geht mir nicht grundsätzlich darum, irgendwelche Gegenargumente gegen die Emma zu finden. Das ist das erste mal, dass ich was daran kritisiere. Aber eine generelle Abwertung von osteuropäischen Frauen darf auch nicht widerspruchlos bleiben!
Sten
am 22. Sep 2009 um 11:45„Gerade die Legalisierung erlaubt den Prostituierten selbstständig und in (relativ) sicheren Verhältnissen arbeiten zu können.“
Die Legalisierung hat keinen Vorteil für die Frauen gebracht. Das Argument, dass nun auch Prostituierte Sozialversicherungen in Anspruch nehmen dürfen stimmt mit der Realität nicht überein. In Deutschland, ich berufe mich nun auf EMMA, zahlen die meisten Prostituierte überhaupt keine Beiträge. Also auch nicht die Einheimischen…woran das liegt kann man spekulieren. Der grösste Anteil der prostituierenden Frauen, egal ob Deutschland und in der Schweiz, sind Migrantinnen. Sozialbeiträge kann man da schon zum Voraus definitiv vergessen.
Schon seit längerem versucht man dem Volk beizubringen, Prostitution habe was mir Selbstfindung – Bestätigung bis hin mir echter Emanzipation zu tun.
Wer nur die Oberfläche sehen kann, wird solche sogenannten „Selbstbestimmende Prostituierte“, auch unter den Osteuropäerinnen, finden.
Ich frage mich dann, woran liegt es, dass ich in den letzten 30 Jahren, nicht eine einzige Prostituierte kennen lernen durfte, wo ich mir guten Gewissen sagen darf:
Diese Frau macht ihre Arbeit 1. tatsächlich freiwillig und selbstgewählt, kein Zuhälter oder „guter Freund“ oder wie auch öfters bei den Osteuropäerinnen, wo der Bruder oder Vater die Rolle des Zuhälter (Beschützer?) übernimmt und profitiert, keine frühtraumatische Grundlage welche zwangsweise auf solch einen Weg führt (oder auch zu Drogensucht, wobei bei fast 100% der langjährigen Prostituierten ein erheblicher Drogen oder Alkohol / Medikamentenmissbrauch bestätigt wird – über das WARUM darf man sich durchaus Gedanken machen) 2. Diese Tätigkeit hat ihr keinen psychischen oder physischen Schaden zugefügt 3. Sie ist nun im Alter kein Fürsorgefall ( wobei ich da einzelne Fälle kenne, die sich dann irgendwie durchs Leben winden ohne Fürsorge.)
Osteuropäerinnen sind auch meines Erachtens besonders prädestiniert sich erniedrigen zu lassen. Diese Feststellung hat nun wirklich nichts mit Rassismus zu tun sonder mit Mitgefühl. Je mehr man sich mit der Kultur von den Osteuropäerinnen auseinandersetzt, wird es klar, warum sie die Köpfe demütig einziehen – vor allem gegenüber Männern! Da wüsste ich nun genug Beispiele, die über jede Ekelgrenze weit hinausragt – wie gesagt; bei Freien sind die Osteuropäerinnen sehr beliebt, weil für alles verfügbar und sehr preiswert sind.
Selbstverständlich möchte ich Sie nicht beschuldigen, an diesem ewigen schmutzigen Geschäft ebenfalls zu profitieren. Aus meiner beruflichen Erfahrung kann ich Prostitution nicht durch die rosa Brille sehen – der Schatten ist um vielfacher Grösser als der Vorteil für die Frauen. Geld regiert die Welt – soziale, ethische und ästhetische Grundwerde haben je länger desto weniger Platz.
Gregor
am 26. Sep 2009 um 17:22Der erste Satz stimmt, es stammen (nach Schätzungen) über 50% der Prostituierten aus anderen Ländern. Im Artikel ging es um den Unterschied, ob Sonia Rossi aus Italien oder aus Osteuropa kommt – Migrantin ist sie also so oder so. Aber warum soll man da Sozialbeiträge gleich vergessen können? Dass Zwangsprostituierte vermutlich keine Sozialbeiträge zahlen, ist wahrscheinlich. Aber warum sollten freiwillige Prostituierte nicht zahlen? Es zahlen ja auch viele. Darüber entscheidet doch nicht die Herkunft!
Das behaupte ich nicht. Es ist ein Job. Die wenigstens Menschen werden ihren Arbeitsplatz so gewählt haben, dass sie darin Selbstfindung oder Emanzipation ausleben können. Die Preisfrage lautet aber: Unterscheiden sich Ost- und Westeuropäerinnen da geistig? Ich sage: Es ist rassistisch zu sagen, dass Frauen aus Osteuropa ihren Kolleginnen aus dem Westen generell geistig unterlegen sind, weniger reflektierten und nicht zwischen gut und schlecht unterscheiden könnten!
Nachtrag:
Der Satz ist eine absolute Frechheit gegenüber Osteuropäerinnen und sehr wohl rassistisch!
Sten
am 28. Sep 2009 um 11:35Ich spreche von Osteuropäerinnen, die bei uns als Prostituierte arbeiten und nicht etwa von Frauen, welche bei uns in Berufen etabliert sind als Ärztin oder in kaufmännischen Bereichen oder wo auch immer. Wobei auch bei diesen Frauen eine unterwürfige Haltung besonders gegenüber Männern erkennbar ist. In den nächsten 20/30 Jahren wird sich das ändern – es braucht eben Zeit…
Die Aussage von EMMA ist aus meiner Erfahrung völlig richtig – wenn auch zugegeben schmerzlich: „Die Osteuropäerin jedoch aus den exsozialistischen, militarisierten Diktaturen, kommt aus finanziell so elenden Verhältnissen und hatten ideell bisher kaum Gelegenheit, sich mit der Prostitution kritisch auseinanderzusetzen, dass sie viel eher Gefahr läuft, in einer Stadt wie Berlin und an der Seite von Männern aus dem Milieu in die Prostitution abzurutschen.“
Es ist noch interessant, wo überall Rassismus befürchtet wird …wie gesagt; für mich ist es nicht rassistisch sonder Mitgefühl. Wenn wir nicht das Problem beim Namen nennen dürfen, werden wir insbesondere jenen Frauen nicht helfen können die es am Nötigsten haben. Nur wer die Inhalte kennt, wird die Rahmenbedingung verändern können – und schliesslich auch deren Inhalt selbst.
Ihre Aussage: Die wenigstens Menschen werden ihren Arbeitsplatz so gewählt haben, dass sie darin Selbstfindung oder Emanzipation ausleben können – kann es sein, dass Sie nicht glücklich sind in Ihrem Beruf? Dann verändern Sie es! Die meisten Menschen in unserem Breitegrad haben sehr wohl die Möglichkeit sich beruflich zu verändern. Ob Deutschland oder Schweiz; wir leben in privilegierten Ländern – den Willen und auch das Engagement zur Veränderung muss der Mensch jedoch selber aufbringen. Trotz Wirtschaftskrise leben wir noch immer auf einem sehr hohen Level und haben nach wie vor berufliche Wahlmöglichkeiten. Es gibt jedoch genügend Staaten wo das nicht der Fall ist: Osteuropa – wobei wir wieder beim Thema sind….
Sozialversicherung: Die meisten Migrantinnen haben gar keine Wohn und Aufenthaltsbewilligung. Sie bleiben als Touristin 1 – 2 Monate und arbeiten ( meistens nicht freiwillig ) als Prostituierte um dann wieder in ihr Heimatland zurück zu kehren. Ein halbes oder 1 Jahr später fängt alles wieder von vorne an. Somit bezahlen sie auch keine Sozialversicherung.
Welche Gründe gibt es noch die Sozialversicherung zu umgehen? Ganz einfach;
1. es ist es „ gutes Schwarzgeld“ – keine Steuern, 2. sie wollen oder dürfen sich nicht outen, 3. viele Frauen sind von dem Verhalten ihres Freundes (Zuhälter?) abhängig, findet er es OK, dass sie ihre Tätigkeit der AHV/Pensionskasse meldet, wird sie es auch tun….
Gregor
am 28. Sep 2009 um 12:22Ich bin Student und damit im Moment ganz zufrieden. Aber für alle Menschen ist es ja nicht so leicht, einen Beruf zu finden, in dem sie sich entfalten können.
In der Kernfrage – ob das rassistisch ist oder nicht – werden wir wohl nichtmehr zusammenfinden.
Gert
am 18. Nov 2009 um 19:55Mag die Schwarzer nicht.
Aber sie beschreibt da nur den Ist-Zustand.
Das muß einem nicht gefallen, ist aber so.
Diese Suche nach Rassismus in jeder Küchenschublade hat in Deutschland mittlerweile pathologische Züge angenommen.
Gert,
der gerne “Negerküsse” ißt.