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Paid Content durch Magazine und Zeitungen auf eBooks?

9. December 2009Internet, kultur

Rupert Murdoch Foto: World Economic Forum (CC by-sa)

Klassische Zeitungs-Verlage jammern seit Monaten immer lauter. Die “Umsonst-Kultur” im Internet gefährde die Existenz der Verlagshäuser und ist daher seit einiger Zeit der Hauptgegner von Verlegern wie Rupert Murdoch, der um sein Medienimperium News Corp. fürchtet. Natürlich hat er erst einmal Recht damit, dass kaum jemand bereit ist, für gewöhnliche Nachrichten im Internet zu bezahlen, denn zwei Klicks weiter werden die gleichen Inhalte kostenlos angeboten. Dass Murdoch kürzlich gegen Suchmaschinen, insbesondere Google News, schießt, die Inhalte klauen würden und so für den Umsatzeinbruch der Branche verantwortlich sein, erinnert aber eher an die Musikindustrie, die auch immer lieber auf das Internet geschimpft hat, anstatt sich der Lebenswirklichkeit der KonsumentInnen anzupassen.

Paid-Content gegen Werbe-Ausfälle

Um die Schwankungen des Marktes für Online-Werbung aufzufangen und mehr Geld abzuschöpfen, lassen Verlagshäuser nun immer wieder den Begriff “Paid Content” fallen, also vom User bezahlter Inhalt. Außer den vom Online-Werbemarkt enttäuschten Verlegern glaubt allerdings kaum jemand daran, dass sich die Leserinnen und Leser auf dieses Konzept einlassen werden. Zumindest für gewöhnliche Nachrichten und auf klassischen Endgeräten (zB Desktop-PC) scheint hier kein erträgliches Geschäftsmodell abseits von Werbung in Sicht. Erfolgversprechender erscheint hier der Verkauf von Zeitschriften-Abos für eBook-Reader. Das Problem: Der einzige große Player auf dem Markt, Amazon Kindle, gibt den Zeitschriftenproduzenten wenig Mitspracherecht und streicht angeblich bis zu 2/3 der Abogebühren ein. In den USA gehen einige Verleger um Rupert Murdoch jetzt in die Offensive: Sie wollen ein eigenes eBook-Verkaufs-System etablieren. Das klingt erstmal vernünftig, denn damit verhindern sie eine zu große Marktmacht von Kindle. Zumindest schaffen sie Wahlmöglichkeiten.

txtr Reader

Die Gefahr: Zeitschriften-Verlage können zwar Inhalte generieren und präsentieren. Ob sie aber auch technische Plattformen entwickeln können, die potentielle Kunden ansprechen, die sich vernünftig bedienen lassen und Besucher nicht gängeln, darf bezweifelt werden. Zumal es schon einige Alternativen zu Amazons Kindle gibt. Das deutsche Startup txtr stellt nicht nur den gleichnamigen eBook-Reader her, sondern bietet auch eine Community-Plattform und einen Shop an. txtr setzt dabei auf freie Software und freie Formate, lässt den Verlagen, die ihre Inhalte über den Shop verkaufen, viel Wahlfreiheit und untermauert dies mit der Social-Media-Komponente der Community.

Solche Angebote sollten die Verlage stärker nutzen und damit Alternativ-Anbieter am Markt etablieren, denn so erhalten sie sich Marktmacht und Mitspracherechte. Stattdessen setzt die Gruppe um Murdoch auf ihr eigenes Konzept, will farbige Inhalte, Videos und sogar interaktive Elemente. Dass man damit einen der größten Vorteile von eBook-Readern wie Kindle und txtr – ewig lange Akkulaufzeit und papierähnliches Lesegefühl – ignoriert, scheint dabei kaum zu stören.

Fazit: Das Vorhaben scheint zum Scheitern verurteilt. Es bleibt zu hoffen, dass die Gruppe das schnellsmöglich merkt und sich auf vernünftige, kundenfreundliche, freie Alternativen konzentriert!

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White IT: Ganzheitlich sieht anders aus

2. December 2009Internet

White IT ist ein Bündnis aus Politik und Wirtschaft, das sich wohl als Alternative oder Erweiterung des zu Netzsperren sieht. Es geht dabei um den Kampf gegen Kinderpornografie. Das gane findet unter der Federführung des niedersächsischen Innenministers, Uwe Schünemann, statt. Dabei wolle man alle einschließen, sagte Schünemann Spiegel Online: “Wir wollen Kinderpornografie im Internet bekämpfen und haben dafür einen ganzheitlichen Ansatz gewählt.”

Besucht man die Website, sehen die meisten Menschen vermutlich: nichts. Für die Darstellung der Website wird Microsoft Silverlight benötigt. Das ist nicht nur kein Webstandard, es steht auch für viele Betriebssysteme gar nicht zur Verfügung – u.a. für Linux nicht. Eine Fall-Back-Lösung, die Menschen angeboten wird, die Silverlight nicht installieren wollen oder können, gibt es nicht.

Ich unterstelle Herrn Schünemann natürlich nicht, dass er sich mit solchen technischen Details auskennt, ihm die Probleme bewusst waren und er den Ausschluss vieler Menschen von dieser Website wissentlich in Kauf genommen hat. Wer aber den “ganzheitlichen Ansatz” zur Bekämpfung von Kinderpornografie wählt, sollte auch allen die Möglichkeit geben, sich zu beteiligen und informieren. Dass eine öffentliche Stelle überhaupt eine Website mit Barrieren anbietet, ist unmöglich – das Land muss alle Menschen einbeziehen!

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Verbindungsprobleme mit Alice

23. October 2009Internet

Seit heute ist also mein Alice-Internetzugang freigeschaltet. Router ist aufgebaut, es kann losgehen. Geht eigentlich auch. Eigentlich! Problem: Es funktioniert nur sporadisch. Meistens laden Websites nicht oder brauchen eine Ewigkeit zum Aufbau — und schaffen das dann auch nur halb. Wenn eine Site allerdings richtig aufgerufen wird, dann in normaler DSL-Geschwindigkeit — an zu langsamer Leitung liegt es also nicht. DSL- und PPP-Lampe (LED) am Router leuchten, im Routermenu wird angezeigt, dass eine Internetverbindung besteht. Alle üblichen möglichen Fehlerquellen (feste IP-Adresse, Cache-Probleme, andere Netzwerkverbindungen, etc) ausgeschlossen: nichts. Hotline anrufen!

Nach einem langen Gespräch an der Alice-Hotline mit einem sehr sympatischen CCA, kam irgendwann die passende Idee: Am PC muss manuell der MTU-Wert auf 1492 gesetzt werden!

MTU steht für Maximum Transmission Unit und bezeichnet die maximale Größe von TCP-Paketen. Das ist natürlich Fachchinesisch und kann von keinem Anwender/Kunden erwartet werden. Wo man das umstellt auch nicht.* Und dass man das bei jedem PC im Netz extra per Hand einstellen muss, ist auch nicht so praktisch. Kommt das nur bei Alice vor? Hat da jemand Erfahrung mit?

* Unter Ubuntu ändert man den MTU-Wert in den Netzwerkeinstellungen der jeweiligen Netzwerkkarte. Für Windows muss man dafür an die Registry. Viele Router lassen ebenfalls eigene MTU-Einstellungen zu.

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Die Ignoranz des Matthias Güldner

26. July 2009Die Grünen, Internet, Netzpolitik

Dr. Matthias Güldner Pressefoto

Auf welt.de hat Matthias Güldner, Fraktionsvorsitzender der Grünen in der Bremischen Bürgerschaft, einen Debattenbeitrag zum Thema Netzsperren veröffentlicht. Schon im Teaser schließt er sich dabei der dummen Sage vom “rechtsfreien Raum Internet” an, die die Netzsperrer von Union und SPD so gerne bemühen: Regeln gelten überall, auch im weltweiten Netz.

Matthias zeichnet im Beitrag das Bild von weltfremden Internetsüchtigen, die auf ihrer Spielwiese nicht gestört werden wollen und angeblich sinnvolle Eingriffe mit Massenpetitionen per Mausklick wegbeißen würden. Dass ich mir solchen dämlichen Killerspiel- und “Das Internet ist an allem Schuld”-Scheiß von einem Grünen anhören muss, hätte ich nicht gedacht:

Die Tatsache, dass diese Community viel Zeit in virtuellen Räumen verbringt, spielt dabei eine große Rolle. Wer Ego-Shooter für Unterhaltung, Facebook für reales Leben, wer Twitter für reale Politik hält, scheint davon auszugehen, dass Gewalt keine Opfer in der Realwelt fordert. Anders kann die ignorante Argumentation gegen die Internetsperren gar nicht erklärt werden.

Die Argumentation ist nicht nur dumm, sondern führt auch völlig an der berechtigten Kritik gegen Netzsperren vorbei. Auf die Spitze treibt Matthias das dann mit einem Vergleich zwischen Netzsperren und dem “Mordparagraphen im Strafgesetzbuch”, der ja auch gebrochen würde, aber trotzdem nicht abgeschafft werden dürfe. Lieber Matthias, wird durch diesen Paragrafen eine Zensurinfrastruktur aufgebaut? Hat der andere gravierende “Nebenwirkungen”? Nein! Durch das Brechen dieses Paragrafen (also durch Mord) gibt es reale Opfer. Dadurch, dass ich einen freien DNS-Server benutze und die Netzsperren so breche, nicht. Das sind schon fast keine Äpfel und Birnen mehr.

Dass so ein Blödsinn in der Welt steht, ist ja nichts ungewöhnliches. Dass sich aber ein grüner Spitzenpolitiker zu sowas herablässt, ist eine Frechheit. Nicht nur im Wahlkampf.

PS: Das Bundestagswahlprogramm von Bündnis90/Die Grünen (pdf) sagt zum Thema Netzsperren:

Die Filterung des Datenverkehrs [...] lehnen wir strikt ab. Den aktuellen Vorschlägen zur Einführung von Internetsperrlisten und den Aufbau einer umfassenden Sperrinfrastruktur erteilen wir eine klare Absage, da sie rechtsstaatlich und technisch unverantwortlich sind.

Das und nur das ist die Position der Partei. Und zwar eindeutig.

Update: Der Bundesvorstand der Grünen Jugend hat meinen Titel übernommen und einen lesenswerten offenen Brief an Matthias Güldner geschrieben.

Update 2: Auch der Bundesvorstand von Bündnis90/Die Grünen hat nun eine Stellungnahme veröffentlicht. Gute und schnelle Reaktionen. Damit sollte die Sache also bald erledigt sein.

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Interview: Jan Philipp Albrecht

4. June 2009Die Grünen, Internet, Netzpolitik, Wahlen, kultur

Dies ist eine Kopie eines Interviews mit Jan Philipp Albrecht (junger grüner Europakandidat auf Listenplatz 12), das auf Gruene.de unter einer Creative-Commons-Lizenz veröffentlich wurde.

Jan Philipp, die Betreiber von The Pirate Bay haben eine neue Wahlkampagne („Vote or die“) gestartet, in der Peter Sunde zur europaweiten Wahl der Grünen aufruft. Wie stehst Du dazu?

jpa

Jan Philipp Albrecht

Ich freue mich sehr darüber. Peter Sunde steht für eine europaweite Bewegung, die sagt: Freier Austausch von Kultur und Wissen muss möglich sein. Wir Grünen haben die Ideen dafür. Wir Grünen stehen für eine fairen Ausgleich zwischen Internetnutzern und Kreativen, ohne Kriminalisierung und mit einer Vergütung. Wir stehen für eine zeitgemäße Netzpolitik.

Was heißt das?

Was in letzter Zeit in Sachen Internet politisch vor sich geht, ist ein Skandal. Vorratsdatenspeicherung, Online-Durchsuchung und die unverhältnismäßige Kriminalisierung von Filesharern müssen gestoppt werden.

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