Was darf eine Stadt ihren Bürgern zumuten?

Foto: keone (CC by-sa)

Wer in Deutschland umzieht, hat nicht nur den Stress des Umzugs selber, sondern muss sich zusätzlich mit Verwaltungsangelegenheiten rumschlagen. Neben Arbeitgeber, Versicherungen, Vereinen, etc. verlangt auch die Stadt, dass man ihr den aktuellen Wohnort mitteilt. Nein, mitteilen ist das falsche Wort. Eine Mitteilung ist eine kurze Nachricht, eine SMS, möglicherweise ein Brief. Was die Stadt verlangt ist eine Anmeldung beim Einwohnermeldeamt!

Und wie das bei Ämtern nunmal ist: Wer keinen Termin hat muss eine Nummer ziehen und warte, warten, warten. Im BremerServiceCenter (BSC), der in Bremen zuständigen Stelle, dauert es allerdings nach Auskunft des Personals etwa zwei Stunden, bis man dann dran ist und sich um- oder anmelden kann. Die Formulare gibt es aber auch online, selbstversändlich nicht als Online-Formular, sondern zum runterladen als PDF. Versucht man diese aber einzuschicken, bekommt man postalische Antwort, man möge doch bitte vorbeikommen. Und gerne könne man vorher einen Termin vereinbaren. Und es gibt auch eine Deadline, zu der man spätestens erscheinen muss. Natürlich geht man aber als nun belehrter Bürger nicht einfach auf gut Glück los, sondern informiert sich erstmal. Und auch auf der Website des BSC steht schließlich: “Wir empfehlen einen Termin mit uns zu vereinbaren, bevor Sie uns besuchen.” Also: Anrufen, Termin vereinbaren. Der nächste ist auch schon bald frei, in etwa zwei Wochen — nach Ablauf der Deadline!

Ja, öffentliche Verwaltung hat auch ein Recht darauf, dass Bürgerinnen und Bürger selber aktiv werden. Aber ein Stück entgegenkommen sollten sie uns dann bitte schon. Warum kann ich die Formulare nicht per Post einschicken, von mir aus auch mit Kopie meines Personalausweises? Ob ich im Amt tatsächlich den richtigen Wohnort angebe, kontrolliert eh niemand. Mit solchen Verwaltungen macht sich der Staat seine Bürger zum Feind!

Update: Hingehen war übrigens unnötig, hätte ich auch per Post machen können, auch wenn der Brief das Gegenteil behauptet hat.

19. March 2010Staat0 Kommentare

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